
Ein Hörverlust kommt fast immer langsam, über Jahre hinweg. Genau deshalb bemerkt man ihn leicht nicht: Oft fällt er den Angehörigen früher auf als uns selbst. Hier sind die Anzeichen, auf die Sie achten sollten, und wann es Zeit für einen Hörtest ist.
Warum man es leicht nicht bemerkt
Wenn das Gehör langsam nachlässt, passt sich das Gehirn an und «füllt die Lücken». Meist gehen zuerst die hohen Töne verloren, etwa die Konsonanten s, f, t, k. Das Ergebnis ist ein typisches Gefühl: «Ich höre, aber ich verstehe nicht richtig». Die Stimmen sind da, aber die Wörter werden undeutlicher, vor allem bei Hintergrundgeräuschen.
Die häufigsten Anzeichen

Erkennen Sie sich in mindestens zwei oder drei dieser Situationen wieder?
- Sie bitten oft darum, etwas zu wiederholen, oder sagen öfter «Wie bitte?» als früher.
- Unter vier Augen verstehen Sie gut, aber im Restaurant, in der Familie oder in einer Gruppe fällt es Ihnen schwer, zu folgen.
- Sie stellen den Fernseher oder das Radio lauter, und andere sagen Ihnen, es sei zu laut.
- Frauen- und Kinderstimmen scheinen Ihnen schwerer verständlich.
- Sie haben den Eindruck, dass die Leute «leise sprechen» oder nuscheln.
- Am Telefon verstehen Sie weniger als früher.
- Sie hören die Türklingel, den Backofen-Timer oder das Zwitschern der Vögel nicht.
- Sie hören Pfeifen oder Rauschen in den Ohren (Tinnitus).
- Am Ende des Tages, nach vielen Gesprächen, fühlen Sie sich besonders müde.
Warum Sie nicht warten sollten

Viele Menschen warten Jahre, bevor sie einen Hörtest machen. Das ist schade, aus mehreren Gründen:
- Das Gehirn entwöhnt sich von den Klängen, die es nicht mehr hört: Je früher man handelt, desto leichter gewöhnt man sich wieder daran.
- Zuhören kostet Kraft: Sich den ganzen Tag anzustrengen, alles zu verstehen, macht müde und schlechte Laune.
- Man zieht sich leicht zurück: Man meidet Essen, Telefonate und Treffen, weil sie anstrengend werden.
- Mehrere Studien bringen einen unbehandelten Hörverlust mit einem höheren Risiko für kognitiven Abbau in Verbindung. Sich um das Gehör zu kümmern bedeutet auch, sich um den Kopf zu kümmern.
Wann Sie einen Hörtest machen sollten
Wenn Sie sich in einigen der oben genannten Anzeichen wiedererkennen, ist ein Hörtest eine gute Idee. Auch ohne Beschwerden ist es ab 60 sinnvoll, das Gehör regelmässig prüfen zu lassen, genau wie die Augen.
Achtung: Wenn das Gehör plötzlich nachlässt, besonders auf einem Ohr, oder wenn Schmerzen, Ausfluss oder starker Schwindel auftreten, warten Sie nicht: Wenden Sie sich sofort an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder eine HNO-Praxis. Ein plötzlicher Hörverlust sollte so schnell wie möglich untersucht werden.
So läuft ein Hörtest ab
Der Hörtest ist einfach und schmerzlos und dauert meist weniger als eine Stunde:
- ein kurzes Gespräch über Ihre Gewohnheiten und die Situationen, in denen Sie Mühe haben;
- eine Sichtkontrolle der Ohren (zum Beispiel, um einen Ohrenschmalzpfropfen auszuschliessen);
- ein Test mit Kopfhörern, bei dem Sie Töne in verschiedenen Frequenzen hören;
- oft auch ein Sprachtest, um zu sehen, wie gut Sie Sprache verstehen.
Am Ende werden Ihnen die Ergebnisse anhand einer Grafik, dem Audiogramm, erklärt, und gemeinsam wird besprochen, ob etwas zu tun ist.
💡 Praktischer Tipp
Notieren Sie eine Woche lang die Situationen, in denen Sie schlecht gehört haben: wo Sie waren, wer gesprochen hat, was um Sie herum los war. Fragen Sie auch eine Angehörige oder einen Angehörigen, was ihnen aufgefallen ist. Bringen Sie diese Notizen zum Hörtest mit: Sie sind sehr hilfreich.
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine fachliche Beratung.
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